Hier mal eine kleine Erläuterung worin der Unterschied zwischen Adipositas und dem Binge Eating Syndrom liegt.
Adipositas bedeutet zuerst einmal, dass ein Mensch sehr viel Körperfett hat. Umgangssprachlich sagt man oft „stark übergewichtig“. Es gibt unterschiedliche Schweregrade. Manche Menschen haben eine leichte oder mittlere Adipositas. Andere haben eine sehr schwere Form, die man morbide Adipositas per magna nennt. Das bedeutet, dass das Körpergewicht so hoch ist, dass die Gesundheit stark gefährdet ist. Es können Probleme mit dem Herz, mit den Gelenken, mit dem Blutzucker oder mit der Atmung entstehen. Adipositas ist also in erster Linie ein körperlicher Zustand. Die Ursachen können unterschiedlich sein: zu viele Kalorien, wenig Bewegung, genetische Faktoren, Medikamente oder auch psychische Belastungen.
Das Binge-Eating-Syndrom ist dagegen eine psychische Erkrankung. Menschen mit Binge Eating haben wiederkehrende Essanfälle, oft über mehrere Stunden. Das bedeutet, sie essen in kurzer Zeit sehr große Mengen an Nahrung und haben dabei das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Sie können nicht einfach aufhören. Oft essen sie sehr schnell, auch wenn sie keinen körperlichen Hunger haben. Danach kommen häufig starke Schuldgefühle, Scham, Selbsthass oder Ekel gegenüber sich selbst. Diese Essanfälle passieren immer wieder. Genau das macht es zu einer ernsthaften Erkrankung und nicht zu „einfach nur viel essen“.
Ein wichtiger Unterschied ist: Nicht jeder Mensch mit Adipositas hat ein Binge-Eating-Syndrom. Viele stark übergewichtige Menschen essen regelmäßig, aber ohne Kontrollverlust. Sie essen vielleicht zu kalorienreich oder zu große Portionen, aber sie erleben keine typischen Essanfälle mit diesem massiven inneren Druck. Umgekehrt bedeutet Binge Eating nicht automatisch, dass jemand adipös ist. Manche Betroffene haben Normalgewicht oder nur leichtes Übergewicht.
Beim Abnehmen gibt es deshalb große Unterschiede. Bei "normaler“ Adipositas ohne Essstörung kann eine Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung und ein klares Kaloriendefizit oft ausreichen, um Gewicht zu verlieren. Das ist nicht immer leicht, aber es ist im Kern eine Frage von Energiezufuhr und Verbrauch. Wenn die Person ihre Gewohnheiten dauerhaft ändert, kann sie erfolgreich abnehmen.
Beim Binge-Eating-Syndrom funktioniert das anders. Hier ist das Essen eng mit Gefühlen verbunden. Essanfälle entstehen meist durch Traumata, Stress, Einsamkeit, Trauer, Überforderung oder innere Leere. Wenn eine betroffene Person einfach nur versucht, streng Diät zu halten, kann das die Essanfälle sogar verstärken. Der starke Verzicht baut Druck auf. Dieser Druck entlädt sich dann in einem neuen Anfall. Deshalb steht bei Binge Eating nicht zuerst das Abnehmen im Vordergrund, sondern die Behandlung der Essstörung. Das kann Psychotherapie, spezielle Essstörungstherapie oder manchmal auch Medikamente beinhalten. Erst wenn die Essanfälle stabiler werden, kann ein gesunder Gewichtsverlust überhaupt realistisch und nachhaltig sein.
Das Binge-Eating-Syndrom ist nicht harmlos. Es kann körperlich zu starkem Übergewicht führen, aber vor allem psychisch sehr belasten. Die ständige Scham, die Selbstvorwürfe, das Unverständnis in der Gesellschaft (Binge Eating sieht man nicht) und der Kontrollverlust können zu Depressionen, Panikattacken, Angststörungen und sozialem Rückzug führen. In schweren Fällen kann die Kombination aus psychischer Belastung und körperlichen Folgen lebensbedrohlich werden. Deshalb ist es wichtig, Binge Eating als ernsthafte psychische Erkrankung zu verstehen und nicht als "fehlende Disziplin“.